Insgesamt stehen acht Springbrunnen auf dem Viktualienmarkt.
Es sind zwei "einfache" Brunnen; sechs Springbrunnen erinnern an
populäre Münchner Schauspieler.
Dieser Brunnen ist einem der größten bayrischen Humoristen
Karl Valentin gewidmet.
Valentins Name war eigentlich Valentin Ludwig Fey. So jedenfalls hieß er, nachdem er am
4. Juni 1882 in München das Licht
der Welt er-blickt hatte. Nach seiner Volksschul- und Bürgerschulzeit begann er mit 14 Jahren eine
dreijährige Schreinerlehre. Aber den Zwanzigjährigen zog es zu
einem ersten kurzen komödiantischen Engagement nach Nürnberg. Nach dem Tode seines
Vaters versuchte er mit seiner Mutter vier Jahre das väterliche
Möbeltransportgeschäft zu leiten. Das ging nicht lange gut, und er war
pleite. Sein Sinn stand ihm eben mehr nach Komödiespielen.
Es zog ihn mit aller Gewalt auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Als alter Bastler
baute er einen Apparat aus 20 Musikinstrumenten, die er mit Händen und
Füßen allesamt gleichzeitig spielen konnte. Da ihm mit diesem Orchestrion kein Erfolg
beschieden war, zertrümmerte er es wieder.
Mit 21 Jahren lernte er seine Schauspielpartnerin Liesl Karlstadt
kennen, mit der er in den folgenden rund vierzig Jahren fast ständig
auftrat. Wer kennt sie nicht, die noch heute berühmten Sketche und Stücke:
"Der Firmling" - "Der Buchbinder Wanninger" - "Die Raub-ritter vor München"
und "Die Orchesterprobe"? Bereits als Dreiunddreißigjähriger gab der
spindeldürre, privat immer etwas schwer-mütige Komiker
an allen Münchner Kabaretts Gastspiele. Daraufhin wurde er auch in andere Städte
eingeladen. Er drehte nebenher zahlreiche komische Filme. Sowohl die kurzzeitige
Eröffnung eines eigenen Theaters wie auch der Betrieb eines Panoptikums (von dem
wesentliche Teile ins heutige "Valentin-Musäum" eingingen)
samt einer "Ritterspelunke", brachten ihm nicht den gewünschten Erfolg.
1941 wurde ihm durch die Nazis jede Filmarbeit untersagt.
Vereinsamt, unterernährt und fast vergessen, starb Valentin am
Rosenmontag, dem 9. Februar 1948, im Alter von 66 Jahren in seinem kleinen
Häuserl in Planegg an einer Lungenentzündung oder einem gewöhnlichen
Katarrh. Fünf Jahre später, 1953, errichtete man dem hintergründigen bayerischen
Humoristen und Erzkomiker auf dem Viktualienmarkt das von Ernst Andreas Rauch gestaltete
Brunnendenkmal, das von Agostino Zuppa aus München gegossen wurde. Das
Material dazu stammt übrigens aus dem zerschossenen Bauch eines bayrischen Löwen, der vor
dem Krieg auf dem Siegestor gestanden hatte. Der damalige Oberbürgermeister
Thomas Wimmer und ein paar Helfer sollen die bei einem Bombenangriff stark
beschädigte bayrische Raubkatze auf einem städtischen Lagerplatz entdeckt haben.
Sogar das Material gereicht dem Komiker zur Ehre. Liesl Karlstadt war bei der Einweihung
am 18.10.1953 höchstpersönlich dabei.
Auf dem Denkmal steht: "Münchner Bürger ihrem Valentin".
Valentin selbst liegt auf dem Waldfriedhof in Planegg begraben. Wer vor
das Denkmal des volkstümlichen Links- und Querdenkers hintritt,
sieht die spindeldürre Figur auf einer Art abgebrochenem Fragezeichen stehen, das wiederum
recht labil auf einer Kugel balanciert. Die Fragwürdigkeit der Welt und
die Fragwürdigkeit der Fragen an sie unterstreichen auch die vier kleinen Masken auf dem Bogen.
Drei davon stellen Valentins berühmte Rollen dar, als Mixtum
compositum aus dem Radfahrer "Wrdlbrmpfd", dem bärtigen Vater aus dem
"Firmling" und dem Gendarm aus den "Raubrittern vor München".
Von der Spitze des Fragezeichens strahlt dem Betrachter eine Sonne
entgegen, auf der Rückseite, etwas weiter unten grimassiert eine
Teufelsfratze. Sonniger Humor und teuflische Hinterfotzigkeit waren Karl Valentin zweifellos in
höchstem Maße eigen. Die Denkmalsfigur selbst steht
fragezeichengebogen auf der Weltkugel und hat über den rechten Arm einen geschlossenen
Regenschirm gehängt.
So befindet sich Valentin trotz des Parapluies immer im Nassen, wenn es regnet.
Warum hat er dann überhaupt einen Schirm? Valentin
würde sagen: "Die Hauptsache ist doch, dass man einen hat."